Aller guten Dinge sind fair

Grüne Jugend am StandWas mag man denken, wenn fünf (später waren es sieben) vollgepackte junge Erwachsene zur schönsten und sonnigsten (aber auch kältesten) Wintersamstag-Mittagszeit die Hauptstraße in Gelsenkirchen ansteuern? Nein, leider kein Weihnachtseinkauf, sondern nur ein paar politisch interessierte Menschen, die nichts Besseres zu tun haben, als eine Aktion im Namen der Grünen Jugend durchzuführen. Aber noch hat Gelsenkirchen nicht genug.

Schon als wir die ganze Opel-Corsa-Ladung Lebensmittel auspacken und gefährlich hoch auf unseren Armen stapeln, sind uns die ersten misstrauischen Blicke der Passanten sicher; spätestens als wir unsere Infostand-Tische um einige Zentimeter zu nah vor dem örtlichen Eiscafé aufbauen und uns dessen Besitzer freundlich-energisch in sein Büro bittet, ist uns die volle Aufmerksamkeit der Umgebung (samt dem Stand der Linken ein paar Meter weiter) sicher – und dummerweise ist die Standgenehmigung im Büro liegen geblieben. Paar Zentimeter weiter links und eine schnell herbeigeschaffte Standgenehmigung reicher, darf der Stand stehen bleiben und wir verzichten freiwillig auf Kontakt mit der Polizei.

Ja, ja, unsere Demokratie.

Dank der Fingerfertigkeit unserer weiblichen Mitglieder (Ja, hier liegt eine Diskriminierung vor!) präsentiert sich bald ein grüner Stand- und Verkaufstisch in direkter Nachbarschaft zu einem mit eigenhändig im Büro aufgebrühten Heißgetränken versehenen Stehtisch. Das gibt ein hübsches Foto mit ein paar GJlern dahinter, eine komische Variante davon trägt sogar einen Rentier-Geweih-Haarreifen und verbreitet damit ordentlich Vorweihnachtsstimmung, singen wollte Katha dann aber doch noch nicht. Schon kommt das erste Mädchen: „Guck mal, die haben da einen Laden aufgemacht.” – Fast… Aber das mit dem Verkaufen kommt gleich, erstmal warm werden und Tee trinken.

Und es läuft gar nicht mal so schlecht: Jedenfalls wirkt die Idee, Fair-Trade-Schokoladen-Pröbchen auf unsere entsprechenden Flyer aufzukleben, wahre Wunder. Nimm ein Stückchen Schokolade, den Flyer bekommst du umsonst dazu. In der Autowerbung klappt sowas schließlich auch. Ob unsere Zielgruppe Patricks Informationstext auch nur irgendwie beachtet hat, wissen wir nicht, aber nichts desto trotz haben wir 100 Flyer in 2 Stunden verteilt. Na, neidisch? 100 Flyer – Also für uns, na ja, für Gelsenkirchen, ist das ein Erfolg…

Wie gesagt, das mit dem Verkaufen kommt jetzt: Insgesamt liegt die Ausbeute bei über 90 Euro, zum größten Teil dank der Schalke-Kaffee-Dosen, denen unsere grandiosen Werbung einen sehr gut zu bewältigenden Andrang verschafft hat: „Für alle Schalke-Fans: Bio-Fair-Trade-Kaffee, damit wir gegen Hannover gewinnen!” Spricht ja für sich. Kam aber nicht so an. Probieren wollten auch nur vereinzelt Personen, dabei hat sich Simon, der nicht einmal Mitglied bei der GJ GE ist, so viel Mühe mit dem Aufbrühen des Schalke-Kaffees gegeben. Aber alle fanden ihn lecker und zwei oder drei haben ihn nach der Kostprobe sogar gekauft, auch mit Geschenkdose. Die Riesen-Kanne war gegen 15 Uhr dann auch leer, wobei wir durchaus mitgeholfen haben. Der Tee war zwar auch bio-fair und unserer Meinung nach ziemlich lecker, aber das sahen nur wenige Standkunden so, so dass keine einzige Tee-Packung verkauft worden ist, außer derjenigen, die sich Katha und Frauke als Weihnachtsgeschenke besorgt haben.

Während dieser gemütlichen Kaffee- und Tee-Proben (wir sollten uns im Weihnachtsmarkt.-geschäft umsehen) kamen auch erste politische Gespräche auf: „Guck mal, Herta, der ist sogar Bio.”- „Ja, und fair gehandelt.” – „Ja, ja, ist ja dasselbe.” Und schon haben wir ihn freundlich belehrt, woran der nette, alte Mann auch sehr interessiert war. Nicht so schön, aber leider sehr richtig, war die Diskussion mit einem Bio-Sympathisanten über die Undurchschaubarkeit und Unzuverlässigkeit der unterschiedlichen Bio-Siegel – „Bio an sich ist ja eine prima Sache, aber auch damit wird der Verbraucher betrogen. Wir kaufen lieber im Bio-Laden als bei dubiosen Eigenmarken im Discounter. Haben wir ja jetzt auch bald in Buer, so`n Laden.” Wir haben ihn auf das EU-Bio-Siegel hingewiesen und unsere Hoffnung ausgesprochen, dass er trotzdem biotreu bleibt.

Mein schönstes Erlebnis: ein vielleicht 12-jährige Junge mit seinem kleinen Bruder, der zum Stand kam und fragte „Was verkauft ihr denn hier?” „Bio und Fair-Trade-Produkte.” – „Ist das Betrug?” Und als wir ihn davon überzeugt haben, dass faire Handelsbedingungen dafür sorgen, dass Menschen in armen Länder angemessen bezahlt werden und davon eine Familie ernähren können, hat er ein Zwei-Euro-Stück in unsere Spenden-Dose geworfen, ganz ungezwungen und sich seiner guten Sache sicher. Nicht einmal ein Stück kostenlose Schokolade wollte er haben. „Vielen Dank, prima, dass du dich um andere Menschen kümmerst.” – „Kein Problem.” Da soll einer nochmal sagen `Die Jugend von heute`. Am Ende waren ca. acht Euro in unserer Spendendose, was auch einen ansehnlichen Erfolg darstellte.

Wovon ich ganz vergessen hatte zu berichten (und dringend nachholen muss, damit Kevin mich nicht anfällt) sind die „MANGO MONKEYS“, die wir zusammen mit den Schokoladen-Pröbchen verteilt haben. Die leckeren Weingummi mit Mango-Geschmack kamen besonders bei den Kindern gut an, wurden aber auch von uns gerne „probiert” – mehrfach versteht sich. Kevin schwört drauf: heißer Tipp für die nächste Party.

Mein Fazit: Es war eine rundum gelungene Aktion, die vor allem für Aufsehen gesorgt hat, schließlich war der Stand einigermaßen groß und wir haben uns an einem günstigen Punkt in einer Einkaufsstraße platziert. Unsere Fair-Trade-Produkte aus dem „Weltläden-Basis”-Laden in Buer haben wir zwar nur schleppend verkauft (da half auch nicht, dass „Schalke fair spielt”), aber die Passanten, die sich an uns herangetraut haben, guckten sich ausgiebig um und haben auch etwas gekauft, wie z.B. Mitarbeiter der evangelischen Kirche, die ihrerseits auch Fair-Trade-Produkte verkaufen. (Da merkt man, wir sind nicht allein.) Auf jeden Fall haben wir aber gut informiert (dank unserer 100 Flyer) und viele Gespräche geführt. Hinzu kommt die Unmenge an leckerer Schokolade, mit denen wir den Leuten ein bisschen den Tag versüßt haben (wenn man sich sonst nicht zufrieden geben will). Und das Beste: Es gab keinen einzigen Anti-Grünen-Spruch, wie sie sonst gelegentlich kommen.

Aber das Wichtigste zum Schluss: Obwohl es (wie immer bei GJ-GE-) kalt war, hat es a u s n a h m s w e i s e nicht geregnet, was bedeutet: hübsche Fotos und eine Menge

SPAß

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